Bereits um 1900 waren diverse pflanzenbasierte Produkte zu haben, die Butter und Schmalz ersetzen sollten. Sie wurden als preiswerte Alternativen nicht nur in der vegetarischen Küche verwendet. Einige der Rezepturen waren nach heutiger Definition vegan, während andere mit Milch oder Eiern angereichert wurden; was je nach Standpunkt eine Verfeinerung oder Verschlechterung darstellte. Die genauen Zutaten sind (mir) heute nicht mehr bekannt, in zeitgenössischen Publikationen finden sich jedoch oft Hinweise auf die Zusammenstellung der Inhaltsstoffe um auf die besondere Güte hinzuweisen.
Aus meiner Sammlung eine kleine Auswahl von Inseraten und Reklamemarken, dort wo bekannt, nach Hersteller sortiert. Die Datierung besonders der Marken ist nicht immer möglich oder eindeutig und von daher als „von 1900-1920“ anzusehen, das Erscheinungsdatum der Inserate wird mit dem der jeweiligen Publikation angegeben.
Die Bildsprache setzte entweder auf glückliche Menschen, die ein vermeintliches „Butter“-Brot geniessen oder die gewählten Motive sollten auf die Herkunft der Ausgangsprodukte hinweisen, die oft aus den europäischen Kolonien stammten – aus heutiger Sicht sind sie teils als rassistisch einzuordnen. (Textquellen zu Reformbewegung, Vegetarismus und Kolonialismus werden folgen.)
Milka-Nährmittelfabrik Pratau
Pratau ist ein Ortsteil von Wittenberg, vermutlich bezieht sich der Produktname „Pratana“ darauf. Weiter wurde die „Milka Edelmagarine“ hergestellt, die soweit ich herausfinden konnte nichts mit gleichnamigen Schokoladenmarke zu tun hat.








Heermann & Co.
Die Hamburger Firma stellte folgende Produkte her:
Vegona Pflanzenbutter Margarine, Vega Palmen-Schmalz, Vegetaline Kokosfett, Heermanns Armee und Marine Kokosbutter.


F.A. Isserstedt
Die in Elberfeld ansässige Margarinefabrik produzierte die Kochbutter „Cobu“ und die Essbutter „Esbu“. Besonders die Werbemotive für „Cobu“ stechen ins Auge; die Tiere bedauern „abgesetzt worden zu sein“ und nicht mehr die Rohstoffe für das von Menschen verwendete Fett (Schweine- und Gänseschmalz, Kuhbutter) zu liefern. So wurde explizit mit der Aufschrift „Kein Tierfett“ geworben.





Schlinck & Co. AG
Mit Palmona hatte die noch heute bekannte Marke Palmin ein Schwesternprodukt. Beide wurden als reine Pflanzenprodukte „gänzlich frei von tierischen Fetten“ beworben, wobei Palmona aus Streichfett bzw. Brotaufstrich und Palmin zum Kochen gedacht war.



Das Motiv der traurigen bzw. weinenden Tiere wurde auch hier aufgegriffen: Inserat für Palmona aus dem Jahr 1908

Palmfett überragt jegliches tierliche Fett so wie die Palme die Tiere selbst überragt und es ist „vergebliche Liebesmüh“ daran etwas ändern zu wollen. Der Werbegrafiker Ivo Puhonny gestaltete für Schlinck & Cie. markante Inserate mit einem hohen Wiedererekennungswert, die leicht verändert über Jahre publiziert wurden. Eine kleine Auswahl.











Rheinisch-Westfälische Margarinefabrik Dr. Max Boemer
„Bömona“ und „Palmkönig“ waren die Marken der Rheinisch-Westfälischen Margarinefabrik aus Emmerich.





Sana Gesellschaft Cleve
Sanella ist noch heute erhältlich.






Franz Kathreiners Nachfolger GmbH
Franz Kathreiners Nachfolger GmbH in München war vor allem für ihren Tee, Kakao und Malzkaffee bekannt, mit „Palmefka“ und „Palmborn“ stellte sie auch Margarine her.



Margarinewerke Leonhard Stadelmann
Die volle Bezeichnung der in Nürnberg ansässigen Firma lautete „Erste Bayerische Kokosnussbutterfabrik & Margarinewerke Leonhard Stadelmann“. Die Margarinen ELESTA, LEONA und LEONESTA bestanden aus Süssrahm, wobei letztere zusätzlich mit Eigelb angereichert wurde.



Weitere Marken
Diverse Margarinemarken, die teils rein pflanzlich aus Palm- und Kokosfett und teils aus Molkereiprodukten bestanden.



















Weitere Marken und Inserate folgen, die Aufzählung wird fortlaufend ergänzt.